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Montag, 23. Oktober 2017

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Chiemsee Reggae Summer 2005 Review Drucken E-Mail
Chiemsee Reggae Summer
CRS 05 Review

Prinzen, Petrus und einige babylonische Flüsse

11. Chiemsee Reggae Summer mit 25 000 Besuchern - Cliff begeisterte

Petrus ist kein Rastamann! Wie bereits im letzten Jahr schickte der himmlische Wetterbeauftragte dem Chiemsee Reggae Summer zwei Tage Regen und nur am Freitag Sonnenschein. Die 25 000 Besucher des ausverkauften Festivals bekamen demzufolge jede Menge "Bad" Überseer Schlammpackungen ab, über deren medizinische Wirkung freilich wenig bekannt ist. Das miese Wetter konnte die sensationelle Stimmung aber nur leicht trüben - dafür sorgten 40 großartige Bands auf den beiden Bühnen.

Den Joke des Festivals lieferte ganz eindeutig Samstags-Headliner Sean Paul, als er das Zuschauermeer wiederholt aufforderte: "Jump, jump!" Leichter gesagt als getan, wenn man knöcheltief im Schlamm steckt und schon beim Gehen Mühe hat, die Schuhe der Sogwirkung des glitschigen Geläufs so zu entreißen, dass sie noch an den Füßen bleiben. Gummistiefel und Bergschuhe mit Plastiktüten umwickelt hatten mal wieder Hochkultur beim "11. Chiemsee Regen Sommer." Zahlreiche Besucher hatten an der zähplastischen, braunen Masse aber auch richtig Spaß: Und so tanzten am Samstagnachmittag ein paar hundert Schlamm-Zombies ausgelassen vor der Bühne. Derart getarnt, dass nur die jeweils blitzenden Augenpaare die Spezies Festival-Besucher verrieten, wurden binnen weniger Minuten sämtliche Rassenunterschiede überwunden - ob schwarz oder weiß, wer mochte das noch unterscheiden?

Vergleichbar verkleidet waren da nur noch die drei Blauen von der Blue Man Group, die am Sonntag zu den absoluten Abräumern des Festivals gehörten. "Wir hatten auf ein tolles Feedback der Zuschauer gehofft, aber was da in diesem Zelt abgegangen ist, haben wir noch nicht erlebt", schwärmte Jens Fischer der musikalische Leiter der "Blauen", deren Auftritt vor über 7000 Besuchern im Zelt ja eine echte Europa-Premiere war. Nie zuvor ist die Blue Man Group auf einem Europäischen Festival aufgetreten und für diese Premiere wurden sogar eigens viele Songs neu arrangiert, so dass die sehr rockigen Nummern auch noch etwas Reggae-Touch bekamen. Die Zeltbühne kochte aber schon vor den Blauen, denn seit dem sensationellen Auftritt vom letzten Jahr, ist das House of Riddim das Traumhaus der Chiemsee Reggae-Gemeinde. Mit Mellow Mark, Jahcoustix, Uwe Banton von den Movements, Natty Flo, Conscious Fiyah von Headcornerstone und einigen weiteren Sängern verwandelte das House of Riddim die Zeltbühne in ein Reggae-Tollhaus mit Schwitzbad-Charakter.

Ein weiterer Höhepunkt im Zelt war bereits am Freitag die Münchner Band Jamram, die bei ihrer Chiemsee Reggae-Premiere extrem viele Sympathien erntete und eine mitreißende Show spielten. Weißwurschtis begeisterten mit ihrem wilden Zigeuner-Räggi und animierten die Fans zu einer lustigen Unterhosen-Party - deftiger fränkischer Humor! Für die Reggae-Fans, die es etwas härter mögen, war natürlich Afrika Bambaataa mit seinen drei Hiphop-Sängern der Partymacher schlechthin, etwas gediegener und durchaus anspruchsvoller rockten Bobby Konders und David Rodigan das Volk. Eine der großen Überraschungen auf der Zeltbühne war mit Sicherheit die Berliner Band Mutabor mit ihrer punkigen Interpretation des Reggae. Als Garant für Gemütsaufhellungen unter dem tristen Überseer Himmelsgrau erwies sich einmal mehr Wally Warning mit seinem Caribic-Reggae und dass Les Babacools abgehen wie die Feuerwehr, muss eigentlich schon gar nicht mehr erwähnt werden. Zwei ganz tolle Frauen in der Zeltbühne dokumentierten auf ganz wunderbare Weise die Reggae-Geschichte: Zum einen die unvergessene und unvergleichliche Queen Dawn Penn mit ihrem "Old Style" und auf der anderen Seite Lilian Gold, die trotz ihrer Jugend über eine ausgereifte Stimme verfügt. Ein zierliches, wunderhübsches Mädchen, die mit ihrer warmherzigen Ausstrahlung einer Elfe gleicht.

Die größte Enttäuschung für die echten Reggae-Kenner war am Samstag der Ausfall von Toots & The Maytals, die in Italien im Stau steckten und nicht rechtzeitig ankamen. Jammerschade! Stattdessen durfte Natty Flo mit seiner One Drop Band auf die Hauptbühne und füllte die Lücke wirklich super. Aber ein echter Ersatz für die Legenden aus Jamaica war er natürlich nicht. Wohl den meisten Besuchern unbekannt war das blinde Sängerpaar Amadou & Mariam aus Mali. Wunderschöne, warme afrikanische Musik von zwei begnadeten Stimmen. Sicherlich eine der ganz große Entdeckungen beim 11. Chiemsee Reggae Summer.

Gentleman spielte am Freitag bei lauen Temperaturen unter dem noch wolkenlosen Vollmondhimmel - wie eigentlich immer - eine ganz große Show, die den Besuchern mit Sicherheit in bester Erinnerung bleiben wird. Der Kölner, der den Winter über stets in Jamaica verbringt, ist halt auch ein echter Reggae-Entertainer. Diese Qualitäten einem Sean Paul zuzusprechen, fällt trotz aufwändiger Show mit leicht bekleideten Tänzerinnen sehr schwer. Stimmlich wenig überzeugend kommt seine Live-Musik längst nicht an die CD-Qualität ran, dennoch waren rund 20 000 Fans begeistert. Der Unterschied zu Shaggy, der im letzten Jahr allein mit seiner Bühnenpräsenz und seinem Charisma die Fans im Sturm eroberte, ist schon gewaltig.

Sehr gelungen war der Auftritt von Legende Desmond Dekker, der mit seiner verschmitzten Art den Fans viel Spaß bereitet hat, Patrice hat mal wieder die Mädchenherzen bis zur Feuersbrunst erwärmt und hat auch musikalisch neue Akzente gesetzt, die richtig gut ankamen. Die wohl schönste Show aber bot ein Altmeister: Jimmy Cliff, längst über 60, aber fit wie ein Turnschuh, spielte fast alle seiner unvergleichlichen Hits - viele davon im neuen Gewand. Bewegend und wunderschön am Ende des Auftritts "Rivers of Babylon", das er schon seit einigen Jahren ganz allein nur mit einer Trommel unplugged singt. So leicht und beschwingt viele seiner eigenen Klassiker sonst daherkommen, so unerbittlich bleibt Jimmy Cliff im Kampf gegen Krieg, Gewalt und das Unrecht. Da hätten mal die Vertreter beider Parteien, die sich am Sonntagabend noch eine Schlägerei lieferten etwas genauer hinhören sollen. Aggression in jedwelcher Form hat auf einem Reggae-Festival nichts zu suchen. Man geht auf ein Reggae-Festival nicht nur zum Spaß, sondern auch zum Lernen, zum Begreifen, zum Horizont erweitern. Menschen wie Jimmy Cliff, der ja schon den Vietnam-Krieg anprangerte wie kein Zweiter auf dieser Welt, haben eine Lebenserfahrung, von der jeder profitieren kann. Ohren aufsperren, zuhören und wenn's leicht geht drüber nachdenken. Das hat mit Sicherheit auch Ernst August von Hannover gemacht, der aus seinem Sommersitz in Salzburg eigens zur Show von Jimmy Cliff kam und auf der Bühne viel Spaß hatte. Allerdings: Ein großer Tänzer wird aus dem Gatten von Caroline nicht mehr. Die mitteleuropäische Hüftsteife ist da schon ziemlich ausgeprägt. Nichtsdestotrotz sorgte er für großes Hallo auf der Bühne, denn sein Besuchsgast war schon ganz gespannt auf das persönliche Kennenlernen mit der Reggae-Legende: Als Jimmy Cliff die bezaubernde afrikanische Sängerin Khadja Nin umarmte, war dies einer der schönsten Momentaufnahmen des Festivals. Nun waren Khadja Nin und Ernst August freilich längst nicht die einzigen Promis auf dem Festival. So schauten mal wieder die Musiker-Kollegen Campino und Andi von den Toten Hosen vorbei und hatten mächtig Spaß mit Gentleman. Völlig begeistert vom Festival war auch Larissa, die Tochter von Nena, die mit einigen ihrer Freundinnen angereist war.

Eine tolle Bilanz konnte die Bahn vermelden. Insgesamt nutzten über 15 000 Besucher die kostenlose Fahrgelegenheit. Knapp 2000 mehr als im Vorjahr. War für Donnerstag eigentlich nur ein Sonderzug geplant, so war der Andrang aber so gewaltig, dass die Bahn kurzerhand sechs weitere Sonderzüge aufs Gleis brachte. Respekt dafür, wird doch die Bahn gerne mal als unflexibel beschrieben. Auch der RVO-Shuttle klappte wieder bestens und fuhr die Besucher fünf Tage lang rund um die Uhr, wohin sie wollten. Dass ein Busfahrer am Donnerstag Felden mit Feldwies verwechselte, hat den ein oder anderen der die Reggae-Cruise deswegen verpasste, natürlich geärgert, aber wer viel arbeitet, darf auch mal einen Fehler machen.

mb.presse

 

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